Eigentlich hatte ich vor, im März eine Geschichte zu veröffentlichen, in der Millefleurs nicht auftaucht – aber dann musste ich feststellen, dass die geplante Story sinnvoll nur in drei Teile geteilt werden kann. Deshalb muss ich die noch einen Monat verschieben.

Wir nehmen noch einmal einen Blick in die AUsbvildung der Agenten des imperialen Geheimdienstes. Dieses Mal ist millefleurs allerdings nicht die Schülerin, sondern aushilfsweise als Ausbilder tätig. Der Schüler, dem hier eine recht einfache AUfgabe gestellt wird, hat allerdings so seine eigene Meinung zu ihr und zum Dienst allgemein.

Dusan blätterte durch sein Lehrbuch. Er hatte von einem anderen Schüler gehört, dass es einen Test geben würde, und wollte nicht versagen.

Sein Ziel war es, der beste Student aller Zeiten zu sein; mit weniger würde er sich nicht zufrieden geben. Sein Vater war Adliger, und es wäre schlechter Stil, wenn er nicht der beste wäre. Sicher, der imperiale Geheimdienst war eine Gruppe ganz besonderer Leute, und nur wenige würden überhaupt von seinen Leistungen erfahren, aber darum ging es ihm nicht. Es war ganz einfach ein Fall von Noblesse oblige, genau wie seine leuchtend rote und gelbe Kleidung: ein Hemd aus Seide, die Weste aus Samt und die Hosen aus feinstem Leder aus Nadya-Häuten, aus Kal-hami importiert.

Es gab sowieso zu viele Gemeine im Dienst, dachte er. Nun, er würde seinen Weg nach oben machen, und wenn er der Chef wäre, würde es Veränderungen geben.

Wenigstens hatte er sich nicht verspätet. Es war wieder einmal Zeit gewesen, die Haare zu schneiden, und der Haareschneider hatte sich heute wieder einmal viel Zeit gelassen. Die Aufsicht über das Verbrennen der Haare hatte er gerne dem Haushofmeister der Familie überlassen – der Gestank verbrannten Haares war ja auch nicht auszuhalten -, und er hatte sich beeilen müssen, um rechtzeitig zu erscheinen.

Die Türe ging auf und eine Frau betrat den Raum. Dusan hatte sie noch nie zuvor gesehen, deshalb musterte er sie genau. Die ziemlich billige Kleidung machte deutlich, dass sie ein weiterer niedriger Bürger war, dachte er bei sich. Klein und dürr gebaut, große schwarze Augen und Harre, die so kurz geschnitten waren, dass man sie nur als Stoppeln bezeichnen konnte. Innerlich seufzte er. Wieder so eine Niedriggegeborene, die nicht in den Geheimdienst gehörte, dachte Dusan. Schon allein so etwas anschauen zu müssen war eine Zumutung…

Plötzlich bemerkte er, dass die Frau mit ihm redete. Er konzentrierte sich.
„… für heute. Wir werden heute eine praktische Übung machen, eine Person beschatten, die nichts vermutet. Wenn wir das Gebäude verlassen, werde ich jemanden heraussuchen, der gerade vorbeikommt, rein zufällig. Ihre Aufgabe ist es, die Person zu beschatten und danach zum Rapport zurückzukommen. Oh, ich vergaß, mein Name ist Millefleurs.“

„Sie nehmen also den Test heute ab?“

Sie runzelte die Stirn. „Warum sollte das ein Test sein? Das ist eine Trainingsaufgabe, mehr nicht.“

Ja, sicher, dachte Dusan, kein Test. Also ob ich das glauben soll. Laut sagte er aber: „Gut, gehen wir.“

„Gibt es noch etwas, was Sie tun wollen, bevor wir die Aufgabe angehen?“

„Ich würde lieber den Test so bald wie möglich abschließen“, antwortete er mit mühsam unterdrücktem Hohn. Wer war sie schon, dass sie ihm erzählen sollte, er würde mehr Vorbereitung benötigen? Ein einfacher Bürger würde so etwas vielleicht nötig haben, aber er war schließlich Adliger, und als solcher über derartige niedere Dinge erhaben.