Eine neue Geschichte beginnt. Dieses Mal kann ich sie in vier Teile aufteilen, für jede Woche einen.

Ein reicher Mann wird – fern des Imperiums – überfallen und heuert einen Leibwächter an.

Ja, die Geschichte spielt in der gleichen Welt wie die Geschichte "Abschlusstest" vom vorigen Monat. Wir erfahren ein klein wenig mehr über die Welt – es gibt eine zweite intelligente Rasse auf der Welt. Was genau sich hinter 'Halbechsen' verbirgt, wird hier aber nicht verraten, das wird irgendwann noch einmal thematisiert…

Der Mann starrte auf die drei Schläger, die ihm den Weg abgeschnitten hatten, und konnte nicht glauben, was er sah. Er hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, ausgerechnet in dieser Gegend beraubt zu werden – ansonsten wäre es sicher nicht so gut gekleidet ausgegangen, und seinen dicken Geldbeutel hätte er auch nicht so offen getragen. Allerdings schien es seinen Angreifern nicht so sehr um sein Geld zu gehen.

"Kannste ratn weshalb wi di hier gestoppt hamm?" knurrte der größte der drei Männer, wobei er seine Frage mit der Spitze eines großen Messers unterstrich. Unangenehm groß, fand der reiche Mann. Außerdem konnten ihm weder die fehlenden Zähne, noch das schmutzige Hemd, in dem es von Läusen wimmelte, noch die zahlreichen Narben – anscheinend in ebenso zahlreichen Schlägereien erworben – Vertrauen einflößen.

"Ich… ich nehme an … mein Geld?" vermutete der reiche Mann.

"Ha, Geld!" Der zweite Angreifer schnaubte wie ein Pferd. Dabei hatte er mehr das äußere – und anscheinend auch das Temperament – einer Klapperschlange, fand der reiche Mann. "Wir wolln kein verdamptes Geld."

Der reiche Mann blickte noch einmal auf die Messer und schluckte. Wenn sie kein Geld wollten…

Plötzlich erklang eine Stimme vom Ende der dunklen Seitengasse, in die der reiche Mann so plötzlich gestoßen worden war.

"Gibt es ein Problem? Braucht jemand meine Hilfe?"

Die Stimme klang jung und weiblich, und der reiche Mann blickte verwundert auf die zierliche Gestalt, die sich deutlich gegen das hellere Rechteck der Hauptstraße abzeichnete. Die Frau trug einen knielangen Rock, ein Hemd und eine Strickjacke aus Wolle, und sie hatte schulterlanges rotbraunes Haar. Ohne Waffen wirkte sie unglaublich zerbrechlich und schwach.

"Renn' weg", wollte der reiche Mann rufen, aber er war so verängstigt, dass er keinen Ton heraus bekam. Die drei Schläger jedoch stoppten einen Moment, überrascht. Dann drehte der dritte, dessen Gesicht seine halbechsiche Herkunft nicht verleugnen konnte, sich langsam um und grinste.

"Alles in Ordnung, Mädel. Nur 'ne kleine Disk'ssion."

Die Frau blickte ihn groß an, mit einem leicht amüsierten Ausdruck im Gesicht. "Ist dies ein Dolch, was ich da vor mir sehe, die Spitze mir zugewendet? Und wer hätte gedacht, dass ein Kroko so große Worte in sich hätte?"

Die Beleidigung – die der Halbechs offensichtlich verstanden hatte – war mehr als er vertrug. Er brüllte kurz auf und stürzte sich auf die Frau, das Messer voran. Behände machte sie einen Schritt zur Seite und ließ ihn über ein stehengebliebenes Bein stolpern. Als er auf dem Boden lag, machte sie einen schnellen Schritt zurück und schlug ihn mit einer kurzen Bewegung mitten zwischen die Schultern. Der Halbechs gurgelte einmal und bracht dann zusammen.

"Sie hat Glump ausgeschaltet", zischte der Anführer. "Branko, mach sie fettich!"

Vorsichtig machte der Man mit dem Klapperschlangengesicht ein paar Schritte vorwärts. Er hatte gesehen, wie schnell die Frau Glump erwischt hatte, mit einem Schlag auf den S-Punkt. Nicht viele wussten überhaupt, dass die Halbechsen dort eine Stelle hatten, wo ein Nervenknoten relativ frei lag. Die reine Tatsache, dass diese Frau davon wusste, ließ in ihm alle Alarmglocken läuten.

"Oh, Opa, was hast du ein großes Messer", stichelte die Frau. Er blieb dennoch ruhig.

"Damit ich dich besser schneiden kann", spottete er, und näherte sich ihr langsam.

Die Frau machte ein paar langsame Schritte rückwärts. Branko legte einen Schritt zu, aber es war zu spät. Als er sie gerade erreicht hatte und zustechen wollte, tauchte die Frau seitwärts in einen dunklen Hauseingang ab. Als Branko hinterher wollte, tauchte plötzlich ein großes Stück Holz aus dem Eingang auf, das abwärts auf sein Gesicht gezielt war. Er versuchte noch, es abzuwehren, aber vergeblich. Der Stock traf seinen Schädel mit einem trockenen Klopfen. Branko fiel auf den Boden und rührte sich nicht mehr.

Der Anführer der drei blinzelte und wollte seinen Augen nicht trauen. Das fluchte er kurz und rannte, wobei er beinahe über Glumps Körper gestolpert wäre. In Sekunden war er im Dunkel verschwunden.

Der reiche Mann sah seine unerwartete Retterin an. Eigentlich sah er nichts, was ihm missfallen hätte. Er nahm seine Kleidung zusammen und watschelte ihn ihre Richtung mit ausgestreckten Händen.

"Ich muss mich bedanken, meine Dame, dass Sie mich gerettet haben, obwohl ich ehrlich gesagt ein wenig überrascht bin. Eine junge Frau wie Sie…"

"Oh, das ist nichts." antwortete sie. "Man muss nur wissen, wo man hinschlagen muss. Und in meinem Beruf… nun ja…" Plötzlich legte ein Schatten sich über ihr Gesicht, verschwand aber genauso schnell wie er geklommen war. Aber nicht schnell genug, als dass der Mann ihn nicht bemerkt hätte.

"Was ist? Sie sehen traurig aus? Ach, übrigens, mein Name ist Stego di Bosson."

"Der Händler? Oh, den Namen habe ich schon öfter gehört. Aber haben Sie keinen Leibwächter? – Upps, ich sollte mich wohl besser auch vorstellen. Mein Name ist Lilli Burgil." Sie blickte ihn scheu an.

"Leibwächter? Ich habe bis heute nie einen benötigt, Frau Burgil."

"Dann müssten Sie da etwas ändern, nicht?"

"Sieht so aus. Wie verdienen Sie den Ihren Lebensunterhalt, Frau Burgil?"

Lilli blickte ihn an und wand sich ein wenig. "Na ja, ich habe ein paar Jahre als Leibwächter gearbeitet. Aber als mein letzter Arbeitgeber ermordet wurde… Vielleicht haben Sie davon gehört… Erom Molkar."

"Erom Molkar? Klingt bekannt. Ist er nicht durch einen anderen Magier mit einer magischen Explosion ermordet worden?"

"Ja, und wenn ich meinen Job richtig erledigt hätte, würde er immer noch leben."

"Blödsinn, ich erinnere mich. So wie ich es gehört habe, hätten Sie da nichts tun können, wenn Sie nicht gerade ein Hellseher wären. Aber, wie haben Sie denn genau überlebt?"

"Ich sah den Magier, aber zu spät. Ich hatte keine Waffe – es war auf einem Ball – und versuchte, den Magier umzurennen und so seine Konzentration zu stören. Ich war nicht schnell genug dafür, kam aber gerade noch aus der Explosionszone heraus. Aber es ist kein gutes Zeugnis für einen Leibwächter, wenn der Kunde ermordet wird. Seither habe ich auch keinen neuen Auftrag mehr erhalten. Na ja, ich muss weiter…" Lilli drehte sich um.

"Einen Augenblick, nicht so schnell." di Bosson griff nach ihrem Arm. Überrascht stellte er fest, wie fest ihre Muskeln waren und wie schnell sie reagierte, sich umdrehte und ihren Arm befreite. "Ich würde gerne mehr mit Ihnen reden … vielleicht kann ich etwas für Sie tun, als Gegenleistung für Ihre Hilfe. Können Sie morgen zur vierten Stunde in meinem Haus vorsprechen?"

"Ich habe bis jetzt keine Verabredungen, also warum nicht?Aber wo muss ich hinkommen?"

"Meine Geschäftsräume sind im größten Haus am Kornmarkt. Können Sie das finden?"

"Das sollte zu finden sein. Bis morgen."

"Bis morgen."

di Bosson blickte ihr hinterher und lächelte. Als er sicher war, dass sie verschwunden war, machte er sich wieder auf den Heimweg und plante für den nächsten Tag.