Nachdem in den letztzen Wochen die Geschichte in drei Einzelteilen erschienen ist, habe ich sie hier noch einmal in ihrer vollen Pracht wiedergegeben. Damit ist die Geschichte um den Abschlusstest abgeschlossen – aber man darf sich sicher sein: Lilli, Baron Viridian Gilbur, Hofkater Rohazil und andere werden sicher wiederkommen.

Im nächsten Monat geht es dann um eine Leibwächterin und ihren neuen Schützling…

Die Nacht hatte bereits ihren Höhepunkt überschritten, als das Fenster sich langsam öffnete. Durch den bläulichen Schein des großen Mondes hätte ein Beobachter eine Frau erkennen können, die lange, graue Haare hatte und in ähnlich graue, unscheinbare Kleidung gekleidet war. Da das Gebäude ebenfalls hellgrau war, war demnach eine Entdeckung durch die auf den Straßen Mirans patrouillierenden Wachen sehr unwahrscheinlich – wenn überhaupt jemand auf den Gedanken gekommen wäre, hier einen Einbrecher zu vermuten.

Nicht dass die Frau hierdurch Probleme gehabt hätte, sie hatte nämlich theoretisch das Recht, hier auf jede beliebige Art und Weise einzudringen. Aber dennoch wäre es für sie sehr unangenehm gewesen, wenn sie gesehen worden wäre.

In dem Zimmer, in dem sie sich befand, gab es keinen Vorhang. Die Frau schien sich vorbereitet zu haben und wickelte sich aus dem langen Wickelrock, unter dem ein weiterer, wesentlich kürzerer Rock in braun zum Vorschein kam. Den langen Rock hängte sie dann über das Fenster, das vollständig von dem Rock verdeckt wurde. Derart abgesichert, dass auch ein zufälliger Blick zum Fenster sie nicht verraten würde, entzündete sie dann eine Kerze und begann, die Schubladen des großen Schreibtisches zu untersuchen.

Als auf dem Gang Schritte hörbar wurden und auch das Licht einer Laterne unter der Türe durchschimmerte, löschte sie schnell die Kerze mit angefeuchteten Fingern. Doch dann ging die Person draußen – wer immer es auch gewesen sein mochte – weiter und das Licht, das unter der Türe durchschien, verschwand wieder.

Die Frau überlegte kurz. Den langen Rock hatte sie – wie geplant – benutzt, um das Fenster zu verdecken. An den Ritz unter der Türe hatte sie jedoch nicht gedacht. Kurz entschlossen zog sie auch ihre Bluse aus und stopfte sie in die Türkante. Dass sie nun barbusig stand, schien sie nicht zu stören; es war allerdings auch niemand da, der dies ungewöhnliche Schauspiel hätte genießen können. Die Frau überlegte jedoch noch weiter. Dann sah sie sich die Türschlösser in der großen Doppeltüre an und schüttelte den Kopf. Mit einer entschlossenen Bewegung nahm sie das lange, graue Haar ab – unter dem ein kurzgeschorener Kopf zum Vorschein kam – und hing es über die eine Klinke, wo es das Schlüsselloch verdeckte. Das zweite „Schlüsselloch“ machte ihr offensichtlich mehr Kopfzerbrechen, denn dort gab es keinen Griff, an dem sie etwas hätte aufhängen können.

Schließlich kam sie zu einem Entschluss. Sie nahm von dem Kerzenwachs, das beinahe erstarrt war, und benetzte ihre Finger damit, dann verstrich sie von dem Wachs oberhalb des quadratischen Loches in der Doppeltüre. Dann stieg sie aus dem letzten ihr verbliebenen Kleidungsstück und „klebte“ ihn an dem Wachs fest, wo er dann auch das Loch verdeckte. <em>Wenn jetzt jemand hier herein kommt, dachte sie bei sich, dann erlebt er sicher die Überraschung seines Lebens.</em>

Danach entzündete sie die Kerze wieder und widmete sich erneut dem Schreibtisch. Insbesondere die Schubladen schienen es ihr angetan zu haben. Sie betrachtete die Griffe, die die Gestalt von Greifenköpfen hatten, genau und wollte gerade die oberste Lade öffnen, als sie zusammenzuckte. Vorsichtig nahm sie die Kerze und stellte sie auf den Boden, dann blickte sie auf die Unterseite des Greifenkopfes. Ein leises Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Onkelchen, Du alter Fuchs!“ atmete sie beinahe unhörbar.

Vorsichtig drückte sie den beinahe unsichtbaren Knopf, der als eine Art Kropf am Hals des Greifenkopfes getarnt war und zog dann vorsichtig die Schublade auf. Aus der Schublade nahm sie dann mehrere Pergamente, die sie im Kerzenschein überflog.

Eines der Pergamente weckte ihre weitere Aufmerksamkeit. Den Text studierte sie genauestens, bevor sie die Pergamente wieder zurück steckte.

Schließlich kleidete sie sich umständlich wieder an, nachdem sie die Kerze erneut mit angefeuchteten Fingern gelöscht hatte. Hierbei sah man denn schließlich auch, dass ihre Bluse zweiteilig zu sein schien.

Nachdem sie das Fenster wieder geschlossen hatte, kletterte sie vorsichtig die Mauer wieder herab, wobei sie darauf achtete, dass keine der Stadtwachen sie sehen konnte.

* * * *

Die Frau in dem langen Rock und mit den langen grauen Haaren ging durch die verlassenen Straßen des nächtlichen Miran. Niemand beachtete sie, obwohl der neue Tag sich bereits mit leichtem Rosenrot gen Osten ankündigte. Dennoch gelang es ihr, in einer dunklen Gasse versteckt, unbeobachtet den Rock, die Blusenärmel und die Perücke abzustreifen, bevor sie durch ein offenstehendes Fenster in ihre Unterkunft in einem bürgerlich wirkenden Haus nahe einem abgelegenen Hof der miranischen Garnison zurückkehrte, das in besonderen Umständen als Schule verwendet wurde.

Sie war kaum aus ihrer Kleidung und ins Bett geschlüpft, als auch schon mit lautem Klingeln der Beginn eines neuen Tages angekündigt wurde.

Im Laufe des Tages machte der nächtliche Ausflug – und vor allem der Schlafentzug ihr allerdings noch zu schaffen. Insbesondere ein Lehrer für Nahkampf war von ihrer Einstellung nicht erbaut und traf sie bei Übungskämpfen mehrere Male so heftig, dass sie zu Boden taumelte.

Dennoch nutzte sie die Mittagspause, um erneut – verbotenerweise – das Schulgelände zu verlassen und in Miran herumzuwandern. Hier suchte sie einen kleinen Laden auf, dessen Ladenschild Kräuter und Gewürze versprach. Hier kaufte sie ein kleines Fläschchen mit einer Tinktur, das sie im Stroh ihres Bettes versteckte.

Abends jedoch hatte sie sich, kaum dass der Unterricht beendet war, in ihrem Bett verkrochen und schlief tief und fest.

Am nächsten Abend machte sie den nächsten Ausflug. Wieder hatte sie gewartet, bis alle Bewohner der Schule tief und fest schliefen, bevor sie das Haus verließ. Diesmal hatte sie sich jedoch nicht als alte Frau zurechtgemacht, sondern war in ihrer alltäglichen Kleidung unterwegs, also in dem kurzen Rock, den sie zwei Abende vorher zur Bedeckung des quadratischen Schlüsselloches benutzt hatte, wenngleich sie auch – ungewöhnlich für sie – ein paar langer Strümpfe trug.

 

* * * *

Stolz und majestätisch stand die Burg des Kaisers in Miran. Wenn auch der Abend bereits weit fortgeschritten war, so waren doch fast alle Fenster von Kerzenschein erleuchtet, denn Kaiser Borudin pflegte Gäste bis spät in die Nacht zu bewirten. Die Torwachen, deren Aufgabe es war, Besucher zu überprüfen, waren ihres Dienstes müde, aber sobald sich jemand näherte, wurden sie dennoch aufmerksam. Auch am Hintereingang, der den Dienstboten vorbehalten war, standen zwei Wachen, die Piken fest in der Hand.

„Guten Abend. Ich bin Lilliandarna Gilbur, und ich würde gerne meinen Bruder Semal, der hier als Diener beschäftigt ist, sehen.“ grüßte eine hübsche, junge Frau die beiden.

Von der Parfümierung, die sie noch vor wenigen Minuten mit einem kleinen Fläschchen durchgeführt hatte, war bereits nichts mehr zu riechen.

Einer der beiden Wachen verließ den Posten, und wenige Minuten später kam der gesuchte Bruder zur Türe.

„Hallo, Lilli“, begrüßte er sie. „Wir haben Dich ja lange nicht mehr gesehen. Was machst Du denn so heutzutage?“

„Ich bin viel unterwegs, Du weißt doch. Eine wandernde Sängerin muß eben dies tun: wandern. Und da ich zufällig in Miran vorbei kam, dachte ich mir, ich sage ‚mal meinem Bruder Hallo. Wie geht es den anderen?“

„Ach ja, wie soll’s den beiden gehen? Koryanda wird wohl bald ihre Arbeit verlassen, sie hat sich in einen Adeligen aus Kelland verschossen, der hier lebt, und Jogrin ist immer noch damit beschäftigt, die Rondra-Priester zu überzeugen, dass sein Geburtstag kein böses Omen ist.“

Leise kicherten die beiden.

„Übrigens: unser Onkel ist gerade am Hofe. Willst Du ihm nicht auch guten Tag sagen?“

Lilli war blaß geworden. „Nein, nein, lieber nicht. Ich glaube nicht, dass er sehr erfreut wäre, mich hier zu sehen.“

„Wie? Seid ihr nicht mehr so gut aufeinander zu sprechen?“

„Ach, weißt Du, er hat nie so recht verwunden, dass A.K.L. mich hinausgeschmissen hat. Dabei kann ich doch nichts dafür, dass ich keine magische Begabung habe.“

„Das verstehe ich immer noch nicht. Zohar war sich doch so sicher…“

„Auch der Hofmagier seiner allergöttlichsten Magnifizenz kann sich einmal irren, nicht wahr?“

Beide kicherten. Almeg Koroban Ludowar Zohar war bereits vor fast drei Jahren in Schimpf und Schande entlassen worden. Dennoch war ihnen klar, dass er eine der größten Institutionen des Kaiserreiches in Bezug auf Magiekunde darstellte.

Aus der Tiefe des Palastes wurden Rufe laut.

„Warte hier, Lilli, ich muss eben weg. Ich komme gleich zurück.“

In der Zwischenzeit machte Lilli es sich bequem. Plötzlich tauchte aus der Tiefe des Schlosses ein großer, graugetigerter Kater, dem ein Auge in irgendeiner Streiterei verloren gegangen war, auf. Vorsichtig näherte er sich Lilli, die in die Knie ging und ihm ihre Hand entgegenstreckte. Zuerst schnüffelte er an ihrer Hand, doch dann leckte er sie und ließ sich von ihr streicheln.

Er schnurrte wohlig und laut, als Semal zurückkam. Der machte große Augen.

„Was ist denn mit Rohazil los?“

„Meinst Du den Kater? Der tauchte auf einmal auf und wollte gestreichelt werden. Wieso? Ist etwas?“

Semal schüttelte nur ungläubig den Kopf. Rohazil, der seine Ankunft bemerkt hatte, war mittlerweile grollend entschwunden.

„Rohazil ist normalerweise sehr unfreundlich und unzugänglich. Selbst Kaiser Borudin darf ihn nur höchst selten streicheln. Und jemand, den er nicht kennt, kann froh sein, wenn der Versuch, ihn zu streicheln nicht mit tiefen, unangenehmen Kratzwunden endet.“

„Dann habe ich wohl viel Glück gehabt?“

„Das kannst Du wohl sagen, Schwesterchen. Übrigens: Unser Onkel ist schon wieder gegangen. Er hat sich nur noch einmal unsere Sicherheitsvorkehrungen erläutern lassen: Möchte nur zu gerne wissen, was da eigentlich schon wieder los ist.“

 

* * * *

Als die Frau, die ein paar Abende zuvor den unbeobachteten Striptease vollbracht hatte, spät am Abend wieder ihre Unterkunft erreichte, musste sie schnell unter die Decke schlüpfen, denn irgend jemand machte sich außen an ihrer Zimmertüre zu schaffen. Schnell drehte sie sich auf ihrem Strohsack mit dem Gesicht zur Wand und versuchte, möglichst gleichmäßig zu atmen. Wenige Sekunden später öffnete die Türe sich leise, und eine dunkle Gestalt blickte durch den Ritz. Als die Gestalt sah, dass die Frau tief und fest zu schlafen schien, schloss sie ebenso leise die Türe wieder.

Nachdem weitere fünf Minuten vergangen waren, setzte die junge Frau sich wieder auf. Schnell zog sie die Strümpfe aus und nahm ein Armband, das über und über mit glitzernden Steinen besetzt war, von ihrem Knöchel. Dies Armband steckte sie zusammen mit dem kleinen Fläschchen, das sie am Vortage gekauft hatte, wieder in das Stroh.

 

* * * *

Baron Viridian Gilbur blickte grimmig drein. Damit gab er nur zu erkennen, dass es ein ganz normaler Tag war, denn seine Miene – die durch ihre reine Unfreundlichkeit bereits so manchen verstockten Sünder zum Sprechen gebracht hatte – war nur an ganz hohen Fest- und Feiertagen auch nur entfernt als freundlich zu bezeichnen.

Als es klopfte, gab er nur ein brummiges Knurren von sich, das für Eingeweihte soviel wie „Herein!“ bedeutete. Die Türe öffnete sich, und Lilliandarna – die noch am Vorabend ausdrücklichen Unwillen gezeigt hatte, ihm zu begegnen – trat ein. Neben ihrer – gewohnt knappen – Kleidung trug sie noch ein kleines, in buntes Papier eingeschlagenes Päckchen mit sich.

„Pirin zum Gruße. Ihr habt nach mir schicken lassen?“

„Sehr richtig. Es ist an der Zeit, dass Eure Abschlussprüfung erfolgen mag. Auch wenn mir zugetragen wurde, dass Ihr in den letzten Tagen seltsam müde wirkt. Ich gehe davon aus, daß es noch eine Nachfolge Eures großen Einsatzes in Sachen dieser Priesterin ist.“

„Das könnte gut sein.“

„Jetzt denkt nicht, daß ich Euren Einsatz deshalb schon gutheiße, weil Ihr die benötigte Information erlangt hattet. Es war wirklich nicht nötig…“ Strafend sah er seine Nichte an.

„Es tut mit leid, Euer Hochgeboren, aber in der knappen Zeit, die mir zur Verfügung stand, war Bettgeflüster der einzige Weg, den ich sah.“

„Schon gut, schon gut“, winkte Baron Gilbur ab. „Gehen wir lieber über zu dem, was jetzt ansteht. Eure Abschlussprüfung.“

Erwartungsvoll sah Lilliandarna zu, wie er die Papiere aus seinem Schreibtisch herausnahm. Er nahm die Papiere vorsichtig auf und las sie zuerst noch einmal leise durch, bevor er sich räusperte und zu Lilliandarna sah.

„Abschlußtest für Lilliandarna Gilbur, bekannt unter dem Codenamen Strauß, Deckidentität als Bardin Millefleurs, gegeben zu Miran den 13. Tag im Nebelmond im Jahre 12 nach der Thronbesteigung unseres geliebten Kaisers Borudin.

Die Aufgabe der Schülerin ist es, das mit Straß besetzte Halsband des Hofkaters unseres geliebten Kaisers – Pirin möge über ihn wachen – zu entwenden und dem Leiter des Imperialen Sicherheitsdienstes, Baron Viridian Gilbur auszuhändigen

Da diese Aufgabe einem normalen Diebstahl insofern widerspricht als kaum jemand auf dieses Halsband besondere Rücksicht nehmen würde, wird seine Majestät, Kaiser Borudin, von dieser Aufgabe informiert, nicht aber davon, wer sie ausführen soll. Seine Majestät wird entsprechende Sicherheitsmaßnahmen in die Wege leiten, ohne jedoch direkt auf eine Diebstahlsgefahr oder auf das gefährdete Objekt hinzuweisen.

Sobald das zu entwendende Objekt in den Besitz Baron Gilburs übergegangen ist, beginnt der Urlaub der Mitarbeiterin Strauß, befristet auf den ersten Tag des folgenden Schneemondes.

Die genaue Methode des Diebstahls muss die Mitarbeiterin Strauß nicht einreichen, ebensowenig einen ausführlichen Bericht.

Gegeben und zur Kenntnis genommen durch Baron Viridian Gilbur.“

Der Baron sah Lilliandarna an. „Du hast es gehört. Du fragst Dich vielleicht, wieso ausgerechnet ein Diebstahl, wo doch Deine Arbeit – und auch Deine Ausbildung – ein Schwergewicht auf ganz andere Bereichen legte. Nun ist es ganz einfach so, dass Deine Leistungen sowohl in der Ausbildung als auch in den Aufgaben, die ich Dir in der Zwischenzeit gab, keinen Anlass zur Klage gaben. Nur Deine Fähigkeiten auf diesem Bereich sind noch nie so recht getestet worden. Und da unsere Politik besagt, dass ein Agent alles können muss, ist unser Abschlusstest immer etwas aus einem in der Ausbildung eher vernachlässigten Bereich.

Zu diesem Zeitpunkt wird gerade seine Majestät von dem Auftrag unterrichtet. Wenn Du also Erfolg haben willst, dann solltest Du Dich beeilen.“

„Vielen Dank. Wenn Sie die Gnade hätten, dieses als Zeichen meiner Hochachtung entgegenzunehmen…“. Lilliandarna reichte ihm das bunte Päckchen. Als Baron Gilbur keine Anstalten machte, es anzunehmen, legte sie es einfach auf den Tisch.

Baron Gilbur sah das Päckchen mißtrauisch an, als habe er Angst, es könne jeden Moment eine giftige Isisnatter herauszüngeln. In diesem Moment klopfte es an der Türe.

„Herein“, grummelte der Baron, während er Lilliandarna mit Blicken bedeutete, zur Seite zu treten.

Ein Bote in der kaiserlichen Livree trat ein. Er verbeugte sich und wartete, bis der Baron ihm durch einen kurzen Wink bedeutete zu reden.

„Melde gehorsamst, seine Majestät geruht seiner Barone Viridian Gilbur seine Grüße zu übermitteln. Leider sieht seine allergöttlichste Majestät sich außerstande, dem Wunsche seiner Hochgeboren nachzukommen, da ein schuftiger Dieb bereits das Mistvi…, ‚tschuldigung, den kaiserlichen Hofkater um sein Halsband erleichtert hat.“

Mit eingezogenem Kopf blieb der Diener stehen und wartete auf das unvermeidliche Ungewitter. Zu seiner großen Überraschung blieb es aber aus. Der Baron schaute nur auf das Päckchen, das Lilliandarna ihm soeben gegeben hatte. Nach langen, bangen Minuten (für den Bediensteten) winkte er ihm, er könne gehen. „Keine Antwort nötig, hoffe ich“, meinte er noch.

Als der Diener sich eiligst empfohlen hatte, blieb der Baron noch mehrere Minuten reglos sitzen und starrte das Päckchen an. Dann hob er langsam den Blick zu Lilliandarna.

„Ist da…“ Die Stimme versagte ihm.

Lilliandarna nahm Haltung an.

„Agentin Strauß meldet sich in den Urlaub“, meldete sie.

Der Baron schloss nur die Augen.

„Und nun, da ich im Urlaub bin: Tschüß, Onkelchen!“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und huschte durch die Türe.

Als sie draußen war, verhielt sie kurz. Sicherheitsbedürfnis und Neugier stritten in ihr miteinander. Schließlich siegte die Neugier, und sie legte das Ohr an die Türe.

Lautes Lachen belohnte ihren Mut.